Museum am Dom

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aktuelle sonderAusstellunG im MAD


 

"zugewandt - Paul Diestel" 

14.11.2021 - 30.1.2022

 

Die Ausstellung „zugewandt - Paul Diestel“ ist die erste Intervention in der neugestalteten Dauerausstellung des MAD.

Ihr sollen weitere folgen, die die Sammlung auf ihre Aktualität hin befragen.

 Die Arbeiten von Paul Diestel finden für einige Wochen ein Zuhause im MAD. Sie stehen nicht ohne Zusammenhang, sondern werden Teil der Dauerausstellung. Hier kommunizieren sie mit den Arbeiten der Sammlung. So entstehen neue, reizvolle Bezüge, die sowohl die Sammlung als auch die Arbeiten des jungen Bildhauers in neues Licht rücken. Die Präsentation kann aber auch als Einzelausstellung besichtigt werden. Sie findet in Kooperation mit dem BBK Unterfranken im Rahmen der Debütantenförderung des Freistaates Bayern statt und gibt einen exemplarischen Überblick über das Schaffen von Paul Diestel. Der Bezirk Unterfranken unterstützt die Ausstellung freundlicherweise mit Mitteln aus der Unterfränkischen Kulturstiftung.

 Paul Diestel ist ein konzentrierter Beobachter seiner Umwelt. Samen, Blätter, Fruchtkörper und Puppenstadien, aber auch archäologische Funde finden seine Aufmerksamkeit. Diese Fundstücke sind der Ausgangspunkt seines Schaffens. In der künstlerischen Umsetzung werden aus kleinen und unscheinbaren Dingen Plastiken von besonderer Schönheit. Wesentlicher Teil der Ausstrahlung sind dabei deren Oberflächen, die er mit natürlichen Materialien wie Sand, Asche, Pigmenten und Kalk bearbeitet. Der Künstler hebt so in seinem Schaffen die Trennlinie von Natur und Kunst auf. Aber auch weitere Gegensätze wie etwa von groß und klein lösen sich auf, denn winzige Fundstücke erhalten in der vergrößerten Umsetzung eine besondere Präsenz.

 Den konzentrierten und reduzierten Arbeiten von Paul Diestel antworten die Kunstwerke aus der Sammlung des MAD. Diese speisen sich aus den Bildwelten und Erzählungen unserer europäischen Kultur. Die Natur und deren Gesetze spielen in den Arbeiten mitunter nur eine untergeordnete Rolle, eher ist von deren Ausbeutung die Rede. Menschliches Schaffen und damit auch Kunst wollten zunächst Naturzustände überwinden und „veredeln“. Die ausgestellten Werke von Paul Diestel wurden nicht eigens für das MAD geschaffen, doch bilden sich erstaunliche Korrespondenzen. Dem Leib des toten Christus in einem Relief der Grablegung von Tilman Riemenschneider und seiner Werkstatt antwortet die Kontur sowie der Schwung von „Juglans“, einem eingerollten Walnussblatt. Das „Mohnmännchen“ nimmt einen Platz zwischen dem Staatsporträt des letzten Würzburger Fürstbischofs Georg Karl von Fechenbach sowie Skulpturen Riemenschneiders der beiden heiligen Bischöfe Kilian und Burkhard ein. Die goldene Oberfläche des „Mohnmännchens“ spiegelt so die Zeichen von gesellschaftlichem Status, Macht und Autorität wider. „Der Sinnende II“ von Ernst Barlach in seiner inneren Sammlung wiederum findet eine Entsprechung in der Kontur der „Puppenruhe III“.

 Paul Diestel nimmt in seinem künstlerischen Schaffen die Hervorbringungen der Natur als Grundlage und Maß. Er überbrückt so Gegensätze und bringt uns auf eine unaufdringliche Weise mit der Natur und ihrer Schönheit in Berührung. Die Kunstwerke vermitteln, dass wir alle Teil der Natur sind. Die Ausstellung hat damit auch eine hohe Aktualität angesichts der Klimakrise und ihrer Bedrohungen für uns Menschen.

 Text: Dr. Jürgen Emmert

 

 


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